Weihnachtsbräuche – Teil 3 Kindleinwiegen

Für den Heiligen Abend hat wohl jede Familie ihre eigenen Rituale und Bräuche entwickelt. Bekannte Bräuche und sitten sind natürlich das Warten auf das Christkind, die Bescherung, die Christmette….. Weihnachtslieder singen. Ich wollte euch gerne einen Brauch vorstellen, der vielleicht nicht so ganz bekannt ist.

Das Kindleinwiegen

Es war der wichtigste Weihnachtsbrauch des Mittelalters. Beim „Kindleinwiegen“ wurde ein Christuskind aus Wachs oder Holz angefertigt, in eine Wiege gelegt  und in der Kirche aufgestellt. Die Kinder der Gemeinde schaukelten es und sangen dazu Wiegen- und Weihnachtslieder.

Es ist auch überliefert, dass Mädchen in einer Reihe sitzend an langen Seidenbändern das Christkindlwiegen praktizierten, wobei jede eine eigene Wiege mit einem Kind aus Wachs mitbrachte und beim Wiegen alte Wiegenlieder gesungen wurden. So ist beispielsweise das Lied Joseph, lieber Joseph mein mit diesem Brauch verknüpft. Im 16. Jahrhundert war das Kindleinwiegen ein Fest für die ganze Gemeinde. Die Mädchen und Jungen, tanzten vor einem auf den Altar gelegten hölzernen Christkind, die Erwachsenen sangen und klatschten dazu. In manchen Gemeinden wurde die Christkindfigur in der Kirche durch die Bankreihen weitergegeben, berichtete Manfred Becker-Huberti in seinem Buch Feiern – Feste – Jahreszeiten: Lebendige Bräuche im ganzen Jahr.

Vielleicht sollten wir das wieder tun? In Österreich wurde der Brauch nach 850 Jahren wiederbelebt. Seit 2013 findet dort das Christkindleinwiegen wieder statt.
Beschreibung dazu findet ihr hier

Die Christkindlwiegen sind Vorläufer der Weihnachtskrippen. Die ältesten Krippen stammen übrigens aus 1300; sie waren sogenannte isolierte Krippen – also ohne Maria und Joseph. Die Figur der Maria kam erst im Mittelalter dazu, der hl. Josef sogar noch später.

Weihnachtskrippe

Die Weihnachtskrippe  – also die Darstellung des Weihnachtsgeschehens – wird schon in der Adventszeit aufgebaut. Allerdings ohne Jesuskind. Das kommt selbstverständlich erst am 24.12. dazu. Dann kommen natürlich bis zum 6. Januar die heiligen drei Könige (oder waren es doch weise Männer ?) dazu.

Wusstet ihr, dass traditionell die Krippe so bis zum 13. Januar – hier ist der Festtag „Taufe des Herrn“ – stehen bleibt?

Wenn man sich auf den römischen Ritus beruft, darf sie bis zum Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar stehen bleiben 🙂

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