Blühender Kirschzweig

Weihnachtsbräuche – Teil 1 Barbarazweige

Es gibt viele tolle Bräuche – sooooo viele, dass ich wohl bis Weihnachten 2XXX nicht fertig würde, würde ich nicht die Auswahl ein bisserl eingrenzen, deshalb bleib ich mal in Bayern 🙂 In vielen Ländern wird Weihnachten gefeiert und natürlich überall ein bisserl anders. In Kenia zum Beispiel wird in den Familien Fladenbrot und Hühnerfleisch serviert – was für viele Familien dort kaum erschwinglich ist. Die Wunschzettel von Familienangehörigen werden in China und Japan an die Weihnachtsbäume gehängt. In den skandinavischen Ländern dreht sich viel um`s Essen – na, bei uns in Bayern auch 🙂 Es darf zur Weihnachtszeit gern ein bisserl üppiger sein – in Skandinavien kann so ein Weihnachtsessen schon mal 38 Gänge haben. Apropos „üppiges, fettes Essen“: mein Kraut zur Weihnachtszeit ist der Beifuß. Warum könnt ihr im Steckbrief dazu nachlesen.

Der Barbaratag – 4.12.

Die Bauern hatten ein sehr inniges Verhältnis zu den Pflanzen – so gibt es fast keinen Festtag, an dem Pflanzen keine Rolle spielen.
Ein erster wichtiger Termin in der Adventszeit ist das Schneiden der Barbarazweige am 4.12. Der Brauch geht auf Barbara von Nikomedien zurück. Sie war eine christliche Jungfrau und Märtyrerin des 3. Jahrhunderts. Märtyrerin lässt es schon ahnen: Barbara wollte nicht von ihrem christlichen Glauben lassen. Es ist in der Legenda aurea überliefert, das Barbara eine sehr schöne und kluge junge Frau war, viele Männer aus Nikomedia hielten um ihre Hand an. Aber Barbara wies jeden Verehrer zurück. Ihre Frömmigkeit gefiel ihrem Vater nicht und nach vielen Marterungen ließ er sie enthaupten. Auf dem Weg ins Gefängnis verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Gewand. Den pflegte sie in ihrem Kerker und er blühte auf.

Wenn ihr gern mehr über die Geschichte wissen möchtet, könnt ihr hier die ganze Geschichte lesen – aber Vorsicht, dass ist nix für schwache Nerven.

Nach der Tradition schneidet man die Zweige vom Kirschbaum oder von der Zierkirsche, Forsythien, Zierquitte und Ginster. Die  Zweige werden schräg angeschnitten und in eine Vase mit lauwarmen Wasser gestellt (das Wasser täglich wechseln). Diese kommt dann in ein nicht zu warmes Zimmer – sonst würden die Blüten zu schnell aufblühen und bis zu Weihnachten vertrocknen.

….und dann heißt es gespannt warten, ob sich die Blüten bis Weihnachten öffnen, denn das bedeutet Glück für das Neue Jahr. Weil Schmuck oder „Deko“ in den alten Bauernhäusern eher ein untergeordnetes Thema waren, war meist ein Zweck mit ihnen verbunden. Häufig versteckten sich bei den Bräuchen und Ritualen alte heidnische Kräfte unter dem Mäntelchen der kirchlichen Weihe – so wurden die Barbarazweige auch als Orakel genutzt. Ledige Mädchen hängten an jeden Zweig einen Zettel mit dem Namen eines Verehrers. Der Zweig der dann als erster aufblühte zeigte den Auserwählten an. Hmm….und wenn man gar keinen Bewerber hatte oder gar keinen Jüngling ins Auge gefasst hatte? Kein Problem: es wurden einfach drei Zweige in die Vase gestellt. Einen für die Jugend, einen für die Schönheit und einen für Reichtum. Je nachdem, welcher Zweig zuerst aufblühte, sollte der Bräutigam jung, schön oder reich sein. Das ist ja auch schon gut zu wissen!

Also – für das nächste Jahr unbedingt eine Erinnerung in den Kalender schreiben!

 

 

 

 

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